Stell Dir vor, du seist ein venezianischer Soldat, der auf der Festung von Assos vor 400 Jahren seinen Dienst tut. Gleißende Hitze liegt schwer über der Bucht, während du den staubigen Weg Richtung Festung hinauf gehst, die hoch über dir liegt. Durch die Pinien schimmert blau das Meer. Kann dich die Schönheit dieser Aussicht für den Gedanken an die vor dir liegenden Pflichten entschädigen? Oder hast du die türkisfarbene Bucht schon hunderte Male angeschaut?

Die Festung von Assos ist relativ neu im Jahr 1617. Erst 20 Jahre früher war sie fertiggestellt worden. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts hatten die Adelsfamilien aus Kefalonias Norden eine Petition an den venezianischen Senat geschickt, um eine Festung im Norden zu erbitten, da dieser Teil der Insel noch immer schutzlos den Piratenüberfällen ausgeliefert war.

Als die Venezianer 1500 die Osmanen auf Kefalonia besiegt hatten, einer ihrer wenigen Siege gegen die Türken, hatten sie die Festung St. Georg im Süden Kefalonias vergrößert. Damit war der Süden geschützt. Aber was war mit dem Norden? Nicht nur überfielen Piraten die Insel weiterhin am schwächsten Punkt der Insel, es bestand auch die Gefahr erneuter Versuche der Osmanen, die Insel zurück zu erobern.

Sicherung des Nordens

Die Venezianer entschieden sich für den Bau einer zweiten Festung auf der Halbinsel von Assos, einem für den Feind uneinnehmbaren Ort. Diese Festung war als Zitadelle geplant, groß genug, um der Bevölkerung der umliegenden Dörfer einen Ort innerhalb der Festungsmauern zu geben. Das machte die Festung von Assos zu einer der größten Griechenlands.

Aber die Menschen zogen nur widerwillig in die Festung. Der Hauptgrund dafür war das Fehlen von Frischwasserquellen. Außerdem war ihnen bewusst, dass sie im Fall einer Belagerung von der Versorgung abgeschnitten wären. So wurde Assos nie eine große und wichtige Stadt, sondern wurde schließlich als Sitz der lokalen venezianischen Verwaltung genutzt.

Assos in Kefalonia

Assos mit der Festung auf dem Hügel

Wechseln wir zur Gegenwart, denn wir können nicht wissen, ob der venezianische Soldat die Aussicht über die Bucht von Assos wirklich bewundert hätte während er in Gedanken bei seinem Dienst in der Festung war. Für dich gibt es keinen Dienst, über den du nachdenken müsstest, während du den langen Weg hinaufwanderst. Die Belohnung für die Mühe ist ein wunderschöner Blick über das Meer und die Bucht von Assos.

Ein ausgedehnter Spaziergang durch Felder und Bäume liegt vor dir, vorbei am Haus des venezianischen Verwalters, den Kirchen von San Marko und des Propheten Elias und vorbei an einigen Ruinen venezianischer Gebäude. Während des englischen Protektorats im 19. Jahrhundert wurde die Festung von Assos als Quarantänestation genutzt. Später, in den 1920ern war sie ein landwirtschaftliches Gefängnis. Die Gefangenen bauten vor allem Wein und Getreide an. Nach dem zweiten Weltkrieg waren dort für einige Jahre politische Gefangene untergebracht. Bis 1963 gab es noch einige wenige Einwohner in der Festung.

Alte Häuser in Assos, Kefalonia

Straße hinunter ins Dorf von Assos

Assos von heute

Für den Weg zurück in den Ort kannst du den schmalen Pfad entlang der südlichen Mauer nehmen. Für viele ist Assos das malerischste Dorf Kefalonias. Weniger glamourös als Fiskardo hat Assos eine Atmosphäre der Ruhe und Authenzität. Mit seinen wenigen die Bucht überblickenden Cafés und Restaurants ist Assos einer der anmutigsten Orte Kefalonias. An einem kleinen Strand kann man in kristallklarem Meer schwimmen.

Wenn du in einem der Cafés am Wasser sitzt, lass die Atmosphäre auf dich wirken. Manchmal scheint es, als stehe die Zeit still; wenn du über die Bucht Richtung Festung blickst und eine Gestalt den Weg durch die Pinien hinauf wandern siehst, dann ist es gar nicht so schwer, sich den venezianischen Soldaten auf dem Weg zu seinem Dienst vorzustellen.